Dipl.-Ing. Fabian Müller
(Fakultät für Architektur Institut für Entwerfen von Stadt und Landschaft)
Stadt Verstehen – Visuell orientierte Handlungsstrategien in der Kommunikation von Stadtentwicklung; am Beispiel von Filderstadt

Die Stadt Filderstadt arbeitet seit 2008 an einem integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), einem Prozess in dem Planer, Politiker und Bürger gemeinsam eine Vision für die Zukunft ihrer Stadt entwickeln. Obwohl alle Beteiligten hochmotiviert sind, traten im Laufe des Prozesses immer wieder kleinere Probleme auf. Durch das unterschiedliche fachliche Wissen der Mitwirkenden kam es zu Verständigungsschwierigkeiten und die mehrere Aktenordner füllenden Protokolle und Ausarbeitungen, ließen sich schwer zur konstruktiven Arbeit nutzen. Zudem sind manche Altersklassen, wie zum Beispiel Schüler und Jugendliche so gut wie nicht vertreten. Meine Diplomarbeit nahm den Prozess des Filderstädter ISEKs als Anlass, die Rolle und die Möglichkeiten von visuell orientierten Handlungsstrategien, in der Kommunikation von Stadtentwicklung zu untersuchen. Ziele meiner Arbeit waren: (1) Das Erkunden von Möglichkeiten zur Aktivierung von „beteiligungsfernen Schichten“ durch alternative Medien- und Kommunikationsbausteine. (2) Der Einsatz von Visualisierungen und der Aufbau einer geeigneten Bildsprache als Vermittler zwischen den verschiedenen Verständigungshorizonten der Beteiligten. (3) Die Sensibilisierung der Beteiligten für die Funktionsweise ihrer Stadt durch die Verknüpfung von Sachdaten mit räumlichen Darstellungen in einem Geoinformationssystem. (4) Die Transformation, der in einem solchen Beteiligungsprozess entstandenen Ergebnisse in eine vermittelbare, konsensfähige planerische Vision. Im Laufe der Arbeit entstanden unter anderem eine Broschüre, zwei Internetplattformen und ein Plansatz. In der Broschüre, findet sich eine Bestandsaufnahme zum Thema Kommunikation und Visualisierung in der Stadtentwicklung, sowie daraus entwickelte Empfehlungen um die Arbeit im Prozess zu optimieren. Die zwei Internetplattformen („INFRAINSPEKTOR - übernehmen sie“, „WE LOVE FILDERSTADT – der schönste Ort der Stadt“) sind Werkzeuge zur Beteiligung im Internet. Eine davon („WE LOVE FILDERSTDAT“) wurde im Feldversuch mit Schülern einer Filderstädter Schule getestet und lieferte wertvolle Erkenntnisse darüber, wie die Kinder und Jugendliche ihre Stadt benutzen und wahrnehmen. Im Plansatz wurden Informationen zu den entsprechenden ISEK-Arbeitsphasen von der Analyse bis hin zu den Ergebnissen aufbereitet. Die verwendeten Visualisierungen erwiesen sich als ein geeignetes Mittel um komplexe Zusammenhänge in kurzer Zeit anschaulich zu vermitteln. Dies hat die gemeinschaftliche Diskussion in den Projektgruppen um einiges erleichtert. Die von mir entwickelte Zukunftsvision bekam sehr positive Rückmeldungen von Bevölkerung, Politik, Verwaltung und Presse. Auch nach meinem Diplom, habe ich meine Zusammenarbeit mit der Stadt Filderstadt fortgesetzt und das Projekt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am KIT weiter tatkräftig begleitet.