Patrick Jochem
(Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung)
A CO2 Emissions Trading Scheme for German Road Transport. Assessing the impacts using a meso economic model with multi-agent attributes

Nach dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sind die Kohlendioxyd(CO2)-Emissionen ein Haupttreiber des globalen Klimawandels. Der Deutsche Verkehrssektor emittiert mit knapp 160 Mio. t CO2 pro Jahr 18 % der gesamtwirtschaftlichen Emissionen und trägt bisher am geringsten zum Erreichen der Emissionsminderungsziele bei. Um die Anreize zur Emissionsminderung beim Hauptverursacher im Verkehrssektor, dem Straßenverkehr, zu erhöhen, diskutiert die Europäische Kommission schon länger eine mögliche Einführung eines Zertifikatehandels. Der Autor zeigt, dass ein Up-Stream-Zertifikatehandel, der wie die Energiesteuer die Mineralölhändler in die Verantwortung nimmt, eine effiziente und wirksame Lösung dieser Problematik ist. Um dessen Auswirkungen im Deutschen Straßenverkehr auf Haushalte und Speditionen abzuschätzen, entwickelte der Autor ein empirisch kalibriertes agentenbasiertes meso-ökonomisches Simulationsmodell und setzte es in einer geeigneten JAVA-Umgebung um. Alle berücksichtigten Agenten im Modell sind möglichst realitätsnah abgebildet. Die benötigten Daten kommen aus umfangreichen Datenbanken des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung im Mannheim und die meisten Reaktionsmechanismen sind statistisch hergeleitet. Das entwickelte Modell ermöglicht die Zusammenhänge des Emissionsziels, Kraftstoffnachfrage, Zertifikatepreise in intra- oder intersektoralen Zertifikatehandelssystemen zu simulieren. Der Autor empfiehlt ein intersektorales (sektorübergreifendes) Handelssystem, da die Zahlungsbereitschaft für individuelle Mobilität größer ist, als Vermeidungskosten in andere Sektoren. Passt der Verkehrsteilnehmer sein Verkehrsverhalten nicht an, würde er CO2-Minderung in anderen Sektoren durch einen erhöhten Kraftstoffpreis bezahlen. Der daraus resultierende Aufpreis auf den Liter Kraftstoff beliefe sich auf 0,04 bis 0,06 Euro pro Liter. Dies bedeutet eine monatliche Mehrbelastung der Haushalte von ca. 20 Euro pro Haushalt – der Straßengüterverkehr wäre jedoch mit knapp 2 % Mehrkosten pro Kilometer stärker betroffen. Um auch makroökonomische Auswirkungen mit in die Bewertung aufzunehmen wendet der Autor ein am Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung (IWW) des KIT entwickeltes systemdynamisches Modell ASTRA an. Die Modellergebnisse bestätigen die Effizienz des gewählten Instruments zur Reduzierung der CO2-Emisisonen im Straßenverkehr.

1. Preis, Preisgeld: 2.000 EUR