Sabine Michels
(Fakultät für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften Institut für Städtebau und Landesplanung)
Revitalisierung von Bahnflächen als Chance für Innenentwicklung – Stand und Perspektiven im Kinzigtal

In Deutschland werden täglich 100 Hektar wertvoller Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Dieser Flächenverbrauch kann einschneidende Folgen für ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland haben, indem nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch die Lebensqualität gefährdet ist. Denn durch die Zersiedelung des Raumes steigen auch die Belastungen durch Lärm, Luftverschmutzung und das Fehlen von Naherholungsmöglichkeiten. Die Ausrichtung der Planung am Prinzip der Nachhaltigkeit fordert zum einen eine Reduzierung des Verbrauchs neuer Flächen, zum anderen aber auch die Wiedernutzung von Brachflächen und Baulücken sowie die Nutzung von Potenzialen für eine qualitätsvolle Nachverdichtung. Die Planungen der Städte und Gemeinden sind deshalb stärker auf die Innenentwicklung auszurichten, um ein attraktives innerstädtisches Bauland und Wohnangebot zu schaffen. Die Entwicklung von Brachen ist eine Möglichkeit, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Städte und Gemeinden zu leisten. Ein Sonderfall dieser Brachen sind nicht mehr betriebsnotwendige Bahnflächen. Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit ist es die Aufgabe der Kommunen auch diese Flächen wieder zu aktivieren. Das Bahnflächenrecycling bietet für alle beteiligten Akteure viele Chancen, sie werden aber auch mit vielen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Jedoch werden diese Chancen in vielen Fällen nicht genutzt, die Herausforderungen sind zu groß und zusätzliche Probleme lassen den Aktivierungsprozess scheitern, bevor er richtig begonnen hat. Gerade mittlere und kleine Kommunen scheinen fachlich, personell und auch finanziell mit dieser Aufgabe überfordert. In dieser Arbeit wurden durch Recherche und Gespräche mit den beteiligten Akteuren die Schwierigkeiten des Bahnflächenrecyclings analysiert und auf Grundlage dessen Vorschläge erarbeitet, mit denen eine Revitalisierung von Bahnflächen dennoch erfolgreich angegangen werden kann. Zusätzlich zu dieser allgemeinen Analyse wurde das Thema „Bahnbrachen“ am Beispiel des Kinzigtals an einem konkreten Raum untersucht. Eine Übersicht zeigt das Potenzial der brachliegenden Bahnflächen und Gespräche mit den kommunalen Vertretern die Um-gangsweise der Städte und Gemeinden mit den Bahnbrachen. Vor diesem Hintergrund wurde ein aktionsorien-tierter Prozess entwickelt, mit dessen Hilfe gerade mittlere und kleine Kommunen in Form einer Kooperation Bahnbrachen aktivieren können. Insgesamt zeigt die Diplomarbeit „Revitalisierung von Bahnbrachen als Chance für Innenentwicklung – Stand und Perspektiven im Kinzigtal“, dass das Bahnflächenrecycling keine einfache Aufgabe für alle beteiligten Akteure ist, es sich aber dennoch lohnt, sich den Herausforderungen zu stellen, um eine aus städtebaulicher und wirtschaftlicher Sicht gute Lösung für die neue Nutzung der jeweiligen Bahnbrache zu finden.

Preisgeld: 1000 Euro für Sabine Michels – Dissertation