Dipl.-Geoökol. Karin Jehn
Vegetationskundliche Erfolgskontrollen an renaturierten Fließgewässern
in der badischen Oberrheinebene


Die Renaturierung von Fließgewässern verfolgt das Ziel, die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer wiederherzustellen. Erfolgskontrollen müssen anschließend überprüfen, ob die im Rahmen der Renaturierung realisierten Umgestaltungs-, Begrünungs- und Pflegemaßnahmen dazu geeignet sind, eine Entwicklung der Gewässer hin zum naturnahen Zustand zu erreichen. Obwohl es sich bei Fließgewässerrenaturierungen um ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet handelt und die Renaturierungsmaßnahmen mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden sind, blieb der Aspekt der Erfolgskontrolle bisher weitgehend unberücksichtigt, so dass dringender Forschungsbedarf hinsichtlich der effizienten Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen bestand. Die Entwicklung einer vegetationskundlichen Erfolgskontrolle, die konkrete Analyse der Vegetation an zehn renaturierten Bachabschnitten sowie die Erarbeitung allgemein gültiger Empfehlungen zur Optimierung von Fließgewäserrenaturierungen standen daher im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Die Aufnahme der aquatischen, amphibischen und terrestrischen Vegetation erfolgte mittels Dauerbeobachtungsflächen und Transekten über einen Zeitraum von ca. drei Jahren. Zusätzlich wurden Gehölz- und Wasserpflanzenkartierungen, Sukzessionsuntersuchungen, Wasseranalysen und morphometrische Vermessungen durchgeführt. Die Erhebung der Daten über einen längeren Zeitraum erlaubt dabei nicht nur eine Zustandsbeschreibung der Renaturierungsstrecken, sondern ermöglicht zudem die Feststellung von dynamischen Prozessen und die Bewertung von Entwicklungstendenzen. Das Entwicklungsziel der Renaturierungsabschnitte wird vom letzten naturnahen Wiesenbach des Untersuchungsraumes repräsentiert, der zugleich als Bewertungsmaßstab bei den Vegetationsanalysen dient. Die Untersuchung mehrerer Renaturierungsabschnitte gestattet neben der Bewertung der einzelnen Abschnitte im Vergleich zum Entwicklungsziel auch die vergleichende Bewertung der Bäche untereinander. Die Erfolgskontrollen ergaben, dass die Vegetationsentwicklung an den renaturierten Gewässerabschnitten im Allgemeinen zielgerichtet verlief. Dabei herrschen jedoch auf den amphibisch geprägten Uferbereichen geeignetere Bedingungen für eine naturnahe Vegetationsentwicklung als auf den trockeneren Böschungsflächen. Zudem weisen spontan begrünte Bereiche bessere Ergebnisse auf als eingesäte Standorte. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass durch Unterlassen der Mahd auf den Uferböschungen die angestrebte Vegetationsentwicklung gefördert wird. Die besten Ausgangsbedingungen für den Erfolg einer Fließgewässerrenaturierung werden also durch eine entsprechend großzügige Gestaltung des Bachbettes mit einer breiten amphibischen Uferzone sowie das anschließende Zulassen von Sukzessionsprozessen auf den Rohbodenflächen geschaffen.

Preisgeld: 4.000 DM